Interview - In der Endodontie spielen Erfahrung und Technik zusammen

· Dr. Jörg Schröder, Düsseldorf, ist als Zahnarzt seit über 20 Jahren in der spezialisierten Endodontie tätig und international renommierter Referent auf zahlreichen Bühnen und in der Fortbildung. Im Gespräch erklärt er, warum 3D-Diagnostik für ihn ein Wendepunkt war – und wie ihn Technologie dabei unterstützt, bei der Wurzelkanalaufbereitung und Längenbestimmung nichts dem Zufall zu überlassen.


Herr Dr. Schröder, was ist für Sie heute eine wirklich gute Endo - Behandlung?

Noch vor 20 Jahren war Endodontie in der Zahnmedizin vor allem Handwerk. Der eigentliche Game Changer kam für mich 2010 – unfreiwillig. Wegen des Vulkanausbruchs des Eyjafjallajökull saß ich mit einem Kollegen am Frankfurter Flughafen fest. Wir hatten plötzlich viel Zeit und haben stundenlang über Endo diskutiert. Er sagte damals: „Die dreidimensionale Diagnostik wird alles verändern.“ Und genau so kam es.

Mit einem DVT (Digitaler Volumentomograph) führe ich die Behandlung gedanklich schon im Geiste durch, bevor ich ein Instrument ansetze. Ich weiß, welchen der vier Kanäle ich zuerst angehe und wo mich im mittleren Drittel eine Aufgabelung erwartet.

Sie sehen den Zahn also schon vor sich?

Absolut. Ich habe ein starkes Bildgedächtnis. Früher habe ich Zähne mit ähnlicher Anatomie im Kopf verglichen. Heute brauche ich diese mentale Brücke nicht mehr – ich sehe es in der DVT Aufnahme.

Bei oberen Frontzähnen ohne Trauma brauche ich kein DVT. Aber bei Prämolaren und Molaren gehört es für mich dazu. Die 3D-Bildgebung der Röntgen – Systeme hat dentale Behandlungen extrem vorhersagbar gemacht. Überraschungen sind selten geworden.

In Düsseldorf arbeiten Sie mit dem Veraviewepocs 3D R100 von MORITA ?

Ja, ich kannte die hohe Qualität des 2D / 3D Röntgen-Kombinationsgerät Veraviewepocs 3D R100 aus meiner beruflichen Erfahrung. Als das alte Gerät in Düsseldorf buchstäblich den Geist aufgab, war die Entscheidung schnell gefallen. Eine Woche später stand der Veraviewepocs 3D R100 in der Praxis. Seitdem hat sich unser Verständnis verändert. Wir machen deutlich bessere Aufnahmen und alle sehen den Informationsgewinn. Die Röntgen Diagnostik beeinflusst bei uns das gesamte Therapiekonzept.

Kommen wir zur Aufbereitung. Sie arbeiten mit drei Endo Motoren parallel. Warum?

Das ist ganz einfach: Während ich mit einem Endo Motor arbeite, bereitet meine Assistenz die nächsten vor. Ich bleibe am Mikroskop, der Blick bleibt im Zahn. Das klingt banal, macht aber einen enormen Unterschied im Flow. Ich nutze den Tri Auto ZX2+ (Endodontie-Motor mit integriertem Apex Locator) von Morita – den hatte ich bereits vor der Markteinführung 2023 als Prototyp im Test. Und mein Tri Auto ZX2 (das Vorgänger-Gerät. Anmerkung der Redaktion) läuft immer noch mit dem ersten Motorkopf. Das Einzige, was ich mit dem machen muss, ist ihn regelmäßig aufzuladen. Und den Akku musste ich noch kein einziges Mal wechseln. Noch nie. In jedem Gerät habe ich meine bevorzugten Einstellungen hinterlegt. In den meisten Fällen arbeite ich rechtsdrehend mit definiertem Drehmoment. Aber ich kann jederzeit umschalten.

„Reziproke“ Bewegungsmuster haben viele Endomotoren. Worin macht der Tri Auto ZX2+ mit seinem OGP2-Modus für Sie einen Unterschied 

Übersetzt ist eine reziproke Bewegung in der Endodontie nichts anderes als z.B. „X+1 Schritte vor und einen Schritt zurück“. Im Ergebnis bleibt das eine Vorwärtsbewegung. Der OGP2 von MORITA aber macht das anders. Dieses Bewegungsmuster zerlegt eine Kreisbewegung in einzelne Sequenzen und lässt nie mehr als 360 Grad in eine Richtung zu. Das Grundprinzip – Schneiden und Entlasten – erhöht die Sicherheit und minimiert das Risiko eines Tip-Lock erheblich. Es gibt keine sicherere Bewegung im Wurzelkanal als diese. Für Einsteiger ist das wie ein Assistenzsystem.

Sie vergleichen das gerne mit einem Sportwagen.

Ja. Man kann einen Sportwagen mit Assistenzsystem entspannt durch die Innenstadt fahren. Oder man schaltet alles ab und fährt auf der Nordschleife des Nürburgrings. Beides ist möglich – entscheidend ist, was man selbst beherrscht. Wenn ich maximale Effizienz möchte, arbeite ich mit einem Modus, bei dem ich selbst definiere, ab welchem Drehmoment die Sicherheitsfunktion greift. Dann liegt die Verantwortung in meinen Händen. Wenn ich komplexe Anatomien habe, nehme ich den OGP2 Modus. 

Trotz der im Tri Auto ZX2+ integrierten Längenmessung nutzen Sie einen separaten Apex-Lokator. Warum?

Meinen Patienten erkläre ich immer: Der Apex-Lokator ist wie eine Park-Distance-Control für den Zahnarzt. Der Endomotor bietet mir die Möglichkeit einer parallelen Messung, und in ausgewählten Fällen nehme ich das mit Kusshand. Es gibt aber Fälle, wo eine Messung während der endodontischen Aufbereitung trotz ausgefeilter Messsysteme schwierig wird. Zum Beispiel wenn ich durch eine Metallkrone muss, um die Wurzelkanalbehandlung zu machen. Dabei hat die Feile Kontakt mit der Spüllösung und der Messstrom fließt über die Feile in die Lösung gegen die Metallkrone zurück ans Zahnfleisch. Fehlmessungen sind die Folge. Um das zu vermeiden, müsste ich das Volumen meiner Spülung im Pulpacarvum bis auf das Kanaleingangsniveau absenken. Deshalb bestimme ich die Arbeitslänge grundsätzlich gerne manuell unter möglichst trockenen Bedingungen mit dem Apex-Locator Root ZX3 von Morita. Erst wenn ich sicher bin, wird die Länge auf die Feilen übertragen. Mit anderen Geräten habe ich Fälle erlebt, da schiebt man die Feile drei oder vier Zehntel vor und an der Anzeige des Apex Lokators passiert gar nichts. Das ist unangenehm. Mit dem Root ZX3 passiert so etwas nicht. Man hat sehr viele feine Teilschritte – 40 Balken in der Anzeige. Ganz ehrlich: da schaue ich erst hin, wenn das Ding anfängt zu piepsen.

Sie setzen unter anderem EndoWave Feilen ein. Auch die versprechen mehr Sicherheit. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Diese Endodontie Feilen wirken fast „aufgedreht“, sind an der Spitze stumpf und verhalten sich sehr kontrolliert. In Kombination mit einem sicheren Bewegungsmuster entsteht ein sauberer Gleitpfad mit minimalem Abtrag. Ich nutze sie daher vor allem in stark und multiplanar gekrümmten Kanälen.

Abgesehen davon arbeitet kein erfahrener Endodontologe mit nur einem System. Anatomien sind unterschiedlich. Man braucht Optionen – und ein Setup, das sie unterstützt. Die EndoWave Feilen gehören für mich dazu.

Was ist Ihr Fazit als Zahnmediziner?

Technik ersetzt keine Erfahrung. Aber sie erweitert sie enorm. Für mich entsteht Vorhersagbarkeit durch drei Dinge: präzise 3D-Diagnostik, ein flexibel einstellbares Aufbereitungssystem und eine zuverlässige Längenmessung. Wenn ich weiß, was mich erwartet – und mein Instrument genau das tut, was ich will –, dann wird Endodontie planbar.

Lieber Herr Dr. Schröder, vielen Dank für die Einblicke in Ihre Arbeitsabläufe.

Über Morita
Die Morita-Gruppe zählt zu den bedeutendsten Herstellern von medizinisch-technischen Produkten. Das japanische Traditionsunternehmen mit Vertriebsgesellschaften in Europa, USA, Brasilien, Australien und Afrika weist ein breites Sortiment auf. Führend in der Röntgendiagnostik und der Endodontie bietet das Produktportfolio leistungsstarke bildgebende Systeme bis hin zur 3-D-Volumentomographie, Behandlungseinheiten, Turbinen, Hand- und Winkelstücke, Instrumente sowie endodontische Mess- und Präparationssysteme. Mit ausgeprägtem Qualitätsdenken und kontinuierlicher Forschung orientieren sich weltweit mehr als 2.000 Mitarbeitern an den Bedürfnissen von Anwendern und Ärzten. So lebt der Geist von Junichi Morita weiter, der das Unternehmen im Jahr 1916 gründete. Morita befindet sich mittlerweile in dritter Generation in Familienbesitz unter Leitung von Haruo Morita.
Haben Sie Fragen?

Nutzen Sie unseren E-Mail-Service.

Händlersuche