Innovative Sicherheitsfunktion OTR bewährt sich

· Interview mit Dr. Sebastian Riedel: „Ein Arbeiten ohne DentaPort ZX Set OTR ist für mich unter Effizienz- und Sicherheitsaspekten nicht mehr denkbar“

Für eine erfolgreiche endodontische Therapie spielt neben weiteren Faktoren auch das Equipment eine wichtige Rolle. Moderne Hilfsmittel unterstützen den Zahnarzt dabei, den hohen Anforderungen an die endodontische Behandlung gerecht zu werden: Im Rahmen der Aufbereitung gehören hierzu innovative Systeme wie die aktuell dritte Gerätegeneration des Mess- und Aufbereitungssystems DentaPort ZX Set OTR (Morita), in welche die innovative Sicherheitsfunktion OTR (Optimum Torque Reverse) integriert wurde. Diese verspricht hohe Effektivität bei reduziertem Feilenbruchrisiko. Wir sprachen mit Dr. Sebastian Riedel (Berlin) über die Anforderungen der modernen Endodontie, die Effizienz- und Sicherheitsaspekte in der Aufbereitung und ob die OTR-Funktion in der Praxis das hält, was sie verspricht.


Für maschinelle Aufbereitungshilfen stehen auf dem Dentalmarkt verschiedene Systeme mit unterschiedlichen Arbeitsweisen zur Verfügung. Ein leistungsstarkes Gerät ist das seit mehr als zehn Jahren auf dem Dentalmarkt angebotene Mess- und Aufbereitungssystem DentaPort ZX. Neu beim System DentaPort ZX Set OTR ist die Sicherheitsfunktion OTR (Optimum Torque Reverse): Sie beruht, wie ähnliche Systeme, auf dem Prinzip der drehmomentprovozierten Drehrichtungsreversion. Im Gegensatz zu bis dato verfügbaren Systemen bietet OTR allerdings den Vorteil, dass für die permanente Kontrolle des Drehmomentes während der Aufbereitung messtechnisch nur eine sehr kleine Winkeldrehung der Feile benötigt wird. Dies reduziert das Risiko eines Feilenbruchs und ermöglicht ein Arbeiten mit optimierten Drehwinkeln in Schneid- wie auch in Rückdrehrichtung der Feile.

Herr Dr. Riedel, was sind die Anforderungen der modernen Endodontie speziell bei der Wurzelkanalaufbereitung?
In der modernen Endodontie stellt die effektive, das heißt die schnelle und sichere Aufbereitung von Wurzelkanalsystemen die Grundlage dafür dar, weitere wichtige Schritte wie die Desinfektion und die spätere Obturation durchführen zu können. Die Aufbereitung sollte als Mittel zum Zweck angesehen werden, um die eigentlichen, unabdingbaren antibakteriellen Schritte einzuleiten.

Welche Hilfsmittel sind erforderlich, um diesen Anforderungen gerecht zu werden?
Der Anwender benötigt Instrumentensysteme, die sinnvoll miteinander kombinierbar sind. Auf diese Weise kann er die Effizienz erhöhen und die Defizite einzelner Systeme ausbalancieren. Um die Aufbereitungsinstrumente zu bewegen, ist mindestens ein drehmomentkontrollierter Motor notwendig. Idealerweise setzt man zwei solcher Motoren ein, um die Instrumentenwechsel flüssiger zu gestalten.

Welche Rolle nimmt hierbei der Aspekt der Arbeitssicherheit ein?
Unabhängig davon, ob es sich um eine Erstbehandlung oder die Revision einer bestehenden Wurzelfüllung handelt: Ein Risiko bei jeder Wurzelkanalbehandlung ist der Instrumentenbruch. Da einerseits die Entfernung eines frakturierten Aufbereitungsinstrumentes zeitlich schwer kalkulierbar ist und zu massiven Problemen im Zeitmanagement einer Behandlung führen kann, und andererseits ein nicht entfernbares Wurzelkanalinstrument die Desinfektion des betroffenen Kanals erschwert oder gar unmöglich macht, sollten solche Frakturen durch den Einsatz von gut kontrollierbaren Systemen idealerweise gegen Null reduziert werden.

„Funktioniert“ die moderne Endodontie auch ohne den Einsatz eines maschinellen Endodontiesystems?
Wir sehen in unserer Praxis im Rahmen der Aufklärungsgespräche für endodontische Maßnahmen immer wieder „ordentlich“ durchgeführte Behandlungen, deren Urheber ohne maschinelle Unterstützung auskamen. Ich selbst kann mir heute keine Behandlung mehr ohne eine effiziente maschinelle Unterstützung vorstellen, wenngleich der Verzicht auf Handinstrumente oder manuell eingesetzte Nickel-Titan-Instrumente in manchen Situationen unvermeidbar ist. Ich denke hier an Stufen im Kanal, an abrupte Krümmungen oder das Passieren von frakturierten Instrumenten.

Seit wann verwenden Sie das Mess- und Aufbereitungssystem DentaPort ZX und wie sind Sie auf die neue Variante mit OTR aufmerksam geworden?
Ich setze DentaPort ZX bereits seit der Zeit nach dem Staatsexamen ein und bin so auch auf die neueste Erweiterung mit OTR aufmerksam geworden. Wie beim ursprünglichen System kann ich mit DentaPort ZX Set OTR beim Aufbereiten des Wurzelkanals simultan die Länge mitmessen und sogar die Drehbewegung der eingespannten Instrumente stoppen lassen, wenn die eingestellte Arbeitslänge erreicht ist. Die Kombination mit dem Root ZX – für mich der Goldstandard im Bereich Längenmessung – finde ich optimal.

Worin sehen Sie die grundlegenden Vorteile des Systems im Vergleich zu anderen Aufbereitungsgeräten?
Für mich ist die gewohnte Vollrotation eines Wurzelkanalinstrumentes weiterhin eine effektive Art, Hartsubstanz der Wurzelkanalwand abzutragen. Der Vorteil von DentaPort ZX Set OTR ist die nun hinzu kommende Chance, durch die umgesetzte Drehmomentkontrolle im Sinne einer oszillierenden oder reziproken Arbeitsweise das eingespannte Instrument weiter effektiv zum Abtrag zu nutzen. Dies dehnt die Reichweite der bisherigen Systeme aus und ist im Zusammenhang mit daraufhin abgestimmten Systemen wie den EndoWave-Instrumenten maximal effizient.

Welche Vorteile bringt OTR bei der Aufbereitung von stark gekrümmten Kanälen?
Bei der mechanischen Bearbeitung im Bereich von Krümmungen gelten weiterhin die bewährten Regeln. Das Risiko, Stufen zu produzieren, wenn ein Aufbereitungssystem mit aktiven Spitzen zum Einsatz kommt, lässt sich auch mit der OTR-Funktion nicht komplett verhindern. Aber die zentrierte Lage von geeigneten Feilensystemen in der Krümmung und dahinter bleibt gut, wenn die einzelnen Instrumente sinnvoll miteinander kombiniert werden.

Welche Automatik- und Sicherheitsfunktionen schätzen Sie darüber hinaus?
Die Möglichkeit, den „Auto-Reverse“-Effekt beim Erreichen einer „Tiefen-Markierung“ zu nutzen, sehe ich positiv. Die „Auto-Stopp“-Funktion dagegen kann ich nicht zur Anwendung im Kanal empfehlen: Beim Wieder-Anlaufen des Motors mit Feile wird kurzzeitig eine Krafteinwirkung auf das Instrument möglich, die zur Fraktur führen kann – daher nutze ich diese Funktion nicht.

Merken Sie beim praktischen Einsatz von OTR einen Unterschied zu anderen Aufbereitungssystemen bezüglich der permanenten Kontrolle des Drehmomentes, die während der Aufbereitung messtechnisch ja nur eine sehr kleine Winkeldrehung der Feile benötigt?
Die Reaktion des Motors beim Erreichen eines Drehmomentes ist schneller, als ich selbst darauf reagieren könnte. Bei anderen Motoren, die zum Beispiel ein akustisches Signal geben, wenn das Drehmoment einen eingestellten Wert erreicht, muss ich mich entscheiden, ob ich ohne Veränderung der Arbeitstiefe der Feile beziehungsweise des Druckes auf die Feile arbeite oder durch Reduzierung einer der Parameter reagiere. In allen Fällen reduziere ich damit zweifellos die Effektivität meiner Arbeit.

Wie oft tauschen Sie die Feilen aus beziehungsweise inwieweit hat sich Ihr „Tauschverhalten“ verändert?
Wir tauschen die Feilen generell nach jeder Behandlung aus. Darüber hinaus werden aber auch während der Behandlung Feilen ausgewechselt, die im Spitzenbereich aufgedreht sind oder anderweitig bruchgefährdet wirken. Insbesondere bei größeren Feilendurchmessern bemerke ich seit dem Einsatz der OTR-Funktion allerdings, dass Feilen durch die Rückwärtsbewegung im Rahmen der Torquekontrolle öfter und ohne erkennbare Verschleißerscheinungen benutzt werden können – weniger Instrumente pro Kanal sind die Folge.

Stellen Sie mit OTR hinsichtlich der Anzahl der Feilenbrüche sowie der Arbeitszeit eine spürbare Veränderung fest?
Feilenbrüche wird es in der Praxis immer geben. Allerdings haben sich die ohnehin nur wenigen Frakturen gefühlt weiter reduziert, weil ich durch die einsetzende Reaktion auf den Anstieg des Drehmomentes den entscheidenden Hinweis bekomme, das Instrument weniger aktiv einzusetzen. Die trotzdem auftretenden Frakturen gehen auch auf das Konto von Fabrikationsfehlern. Auch die Arbeitszeit für die aktive, mechanische Bearbeitung des Zahnes reduziert sich erheblich. Dies ist für mich ein entscheidendes Argument, weil schneller und vollständiger desinfiziert werden kann.

Welche Erfahrungen haben Sie bezüglich der Schneideeffektivität gemacht?
Die Effektivität der eingesetzten Instrumente beruht, unabhängig von Hersteller und Feilentyp, auf der Feilenbewegung: Nur wenn der sich in den Spanräumen sammelnde Abtrag durch Hubbewegungen der Feile nach koronal aus dem Kanal herausgehoben und abgeladen wird, kann die Feile wieder effektiv schneiden. Man bemerkt das „Beladen-Sein“ durch die fehlende Tendenz der Feile, sich in den Kanal hinein zu ziehen oder leicht hinein gedrückt werden zu können.

Gibt es aus Ihrer Sicht in der Anwendung etwas Besonderes zu beachten?
Nein, außer der Anwender ist mit den Funktionen der simultanen Längenmessung in Kombination mit den Optionen „Auto Start“ beim Einführen der Feilen in den Kanal und „Auto Stop“ bzw. „Auto Apical Reverse“ beim Erreichen eines wählbaren Abstandes zum physiologischen Apex nicht vertraut. Beide Funktionen erleichtern meiner Meinung nach gerade Generalisten, den kniffligen Punkt der korrekten Längenmessung und Aufbereitung bis dorthin zu beherrschen.

Wie lautet Ihr persönliches Fazit zu DentaPort ZX Set OTR?
Für mich ist endodontologisches Arbeiten ohne den Motor unter Effizienz- und Sicherheitsaspekten nicht mehr denkbar. Die offene Bauweise, die auch andere Feilensysteme zulässt, vergrößert den Anwendungsbereich über das Morita-Feilensystem EndoWave hinaus. Das Hybridkonzept, welches die meisten spezialisierten Kollegen anwenden, bleibt mit nur einem Motor anwendbar.

Welche Themen werden die Endodontie aus Ihrer Sicht in den nächsten Jahren beherrschen?
Die vollständigere Desinfektion möglichst großer Teile des Wurzelkanalsystems mit möglichst einfachen Mitteln ist eines der aktuellen Themen in der Endodontie und sollte in den nächsten Jahren erreichbar sein. Der Laser wird dabei eine stärkere Rolle spielen. Schon heute zeigt sich, dass die Schockwellen eines Er:YAG-Lasers wie dem AdvErL Evo von Morita im Rahmen der Aktivierung von Spülflüssigkeiten effektiv zu wirken scheinen. Außerdem wird die weitere Vereinfachung der Aufbereitung mit strapazierbareren Materialien zu einer schnelleren mechanischen Bearbeitung führen und damit die Desinfektion schneller komplett wirken lassen.

Vielen Dank für das Gespräch!


Dr. Sebastian Riedel begann seine zahnärztliche Tätigkeit nach Studium und Promotion an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg 2004 in privatzahnärztlicher Praxis in Zürich, bevor er von 2005 bis 2007 Mitarbeiter in der Praxis Prof. Dr. A. Gutowski, Schwäbisch Gmünd wurde. Nach dem erfolgreichen Abschluss der curricularen Weiterbildung auf dem Gebiet der Endodontologie bei der Deutschen Gesellschaft für Endodontie 2007 trat Dr. Riedel 2008 als Mitarbeiter für Überweisertätigkeit im Bereich Endodontie in die Praxis Dr. Jörg Schröder (Berlin) ein, mit dem er seit 2010 ebendort eine Gemeinschaftspraxis führt, seit 2013 als Endodontologische Privatpraxis. Seit Oktober 2014 wird diese zusammen mit Mario Müller (M.Sc.) zu dritt geführt. Riedel ist Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie (DGET), der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) sowie der Schweizerischen Gesellschaft für Endodontologie (SSE).

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